Handballspielen ist mehr als einem Ball hinterher zu jagen.
Gedankengang und Anregungen eines wundervollen Sportes
der Faszinieren kann, wenn man ihn verstehen lernt!

Soziales Lernen im Handballsport.
Warum gerade im Hallenhandball große Erfolge darin bestehen?
Definition :

Soziales Lernen im Hallenhandball heißt in erster Line Erfahrungen und
Qualifikationen im Umgang mit anderen Vereins- Sportkammeraden/in zu erwerben.
Diese sollten Persönlichkeitsbilder sein, so dass sie auch im täglichen Alltagsleben der
Jugendlichen eine Weiterentwicklung ermöglichen, was leider heutzutage unter
vielen Jugendlichen immer weniger möglich wird, durch die ganze Medienwelt die bis
hin in die Vereinsamung führen kann.

Grundsätze :

Jugendliche Verhaltensveränderungen in sozialer Hinsicht, stellen sich natürlich im
Hallen - Handball nicht so einfach ein, wenn man eine Sporthalle betritt. Nein sie
müssen geplant und intentioniert werden. Was viele Hallenhandballvereine nun dazu
bewegte, im Sinne ihrer Jugendlichen Handballer/in ein gefördertes Jugendkonzept in
soziales Lernen in ihr Vereinsangebot aufzunehmen.

Folgende Ziele sollten dadurch im sozialen Verhalten erreicht werden:

- Aufbau von Gruppenbewusstsein im Sinne von gesteigerten Zugehörigkeitsgefühl,
auch umgänglich das Wir- Gefühl genannt.
- Verbesserung der realistischen Selbsteinschätzung im Bereich der physischen und
psychischen Leistungsfähigkeit, auch das Fördern von Selbstbewusstsein genannt.
- Kooperatives Agieren in einer Gruppe von Gleichgesinnten, mit der Kenntnis die
Stärken und Schwächen seiner Sportkameraden/in einschätzen zu lernen, was die
Teamfähigkeit fördern soll.
- Einfühlungsvermögen, besonders in die Personen dieser Gruppe, sowie gegenüber
Objekte.
- Ein Gefühl der Zugehörigkeit und der sozialen Geborgenheit zu erzeugen im
ganzem Umfeld des Vereines, um das Wohlsein sowie das Wohlbefinden des
Jugendlichen Sportlers zu ermöglichen.
- Siege und Niederlagen gemeinsam durchleben und mit ihnen lernen umzugehen.
- Regeln befolgen lernen. Auf dem Spielfeld bis hin in dem Umgang mit Menschen,
um die Normeinhaltung besser verstehen zu lernen.
- Fairness sowie partnerschaftliches Verhalten fördern, was gerade den
Hallenhandball auszeichnet.
- Gewaltfreie und angepasste Suche nach Lösungen, bei auftretenden Konflikten
und gemeinsam finden, im Sinne der oft beschworenen Verhaltensstrategien.
Soziales Lernen ist im Hallenhandball nur möglich, wenn über das was getan wird, auch
gesprochen wird und wenn dies in einer Atmosphäre geschieht, die durch hohe
Empathie gekennzeichnet ist!
So gehen viele Hallenhandball Vereine auch den unbequemen Weg, ihren Jugendtrainer nicht
nur den durch den DHB angebotenen Trainerschein (KtS+C+B+A+A1) anzubieten, sondern

fördern diese auch noch intern, durch geschulte Fachkräfte im Umgang mit Jugendlichen.
Was der Untersuchung von Prohl und Scherrer von 1995 nahekommt und eindeutig zeigt,
dass Jugendliche, mit einem deutlich höheren Sportangebot und einem gepflegten Umgang
im Vereinsleben
- ein gesteigertes Wohlbefinden
- eine geringere Neigung zu aggressivem Verhalten
- eine positiv persönliche und soziale Befindlichkeit aufweist.

Wie entsteht Aggression?
- Aggressives Verhalten bei Jugendlichen Hallenhandballsportlern kann sehr verschiedene
Gründe haben. Ein Spieler kann sich aus der Angst heraus aggressiv verhalten, als Reaktion
auf die Handlung seines Gegengenüber, ob im Training, oder Punktspiel, wenn er aus
bewusster Schadensabsicht sich bedroht oder provoziert sieht. Doch gelten weitaus mehr
Gründe aus verschiedenen Anschichten, für ein aggressives Verhalten auf dem Sportfeld.
So befassten sich schon mehrfach Wissenschaftler mit den Entstehungsursachen von
Aggressionen, aus den verschiedensten theoretischen Ansätzen zu erforschen. So soll auch
die Umwelt eine entscheidende Rolle bei aggressivem Verhalten spielen. So untergliedert
man auf der Suche nach dem Verstehen wie Aggression entsteht, in mehreren Schichten:

- Psychosoziale
- Gesellschaftsbezogene
- Familie und Erziehung
- Schulisches Umfeld
- Individuell – Biologische
- Genetische

So entstand schon 1939 von Dollard, dass Frustartions-Aggressions-Modell,
dass sich wie folgt darstellt.
Frustrationsereignis + Wenn-dann-Mechanismus gleich Aggression

Da im Hallenhandballsport eine Vielzahl von Unterschiedlichen Charakteren und Nationalitäten
der Gattung Mensch sich begegnen, ist es umso wichtiger jedem einzelnen Jugendlichen auch
den entsprechenden Spielraum zu lassen. So dass diese, in welchem Alter auch immer, die
Möglichkeit haben, dass körpereigene Entwicklungspotenzial, auf der Ebene soziales Lernen
auszuschöpfen. Gerade Gesellschaftsbezogenen Jugendlichen hilft der Hallenhandball sich,
erstens von gefestigten Strukturen zu lösen, so dass dieser in einer Gruppe geleichgesinnter
unter den Regeln des Hallenhandballes in Gemeinschaft und dem Gefühl nicht alleine gelassen zu
werden, diesen Sport trotz der oben genannten einzelnen Stufen der Aggression, soweit ausüben
kann, so dass im besten Fall sie erst gar nicht aufkommen. So besteht für die Jugendtrainer eine
Aufgabe die Trainingsinhalte, nicht nur auf den Sport bezogen abzustimmen, sondern auch
individuell auf jeden Spieler/in einzugehen, um dem Jugendlichen Handballer/in das Gefühl zu
geben, in dieser Gemeinschaft gebraucht zu werden. Auftretende Spannungen, die einen
Ausbruch von Aggression schon vorhersehen, werden zu meinst durch ein offenes Gespräch im
Kreise der Mannschaft schon im Kein erstickt, durch das sichere und bestimmte Auftreten des
Jugendtrainers. Kein Problem, oder Unverständnis darf Ignoriert werden, oder einfach nur zur
Seite geschoben werden, sondern muss direkt, auch nach den Studien der Wissenschaft, ohne es
ins lächerliche zu ziehen, angegangen werden. Aggression hat einen Hintergrund, doch so schnell

wie sie Auftreten kann, kann sie auch durch richtiges Gegenverhalten rasch wieder aufgelöst
werden.
Fairness und Respekt, ein großer Bestandteil im Hallenhandball
In der letzten Zeit taucht immer wieder im Zusammenhang mit Sport, die Wörter Fairness und
Respekt in den Medien auf. Zumeist im Zusammenhang mit dem Profisport, aber auch in den
Amateurklassen bis hin zum Freizeitsport, haben die Sportgerichte in ganz Deutschland eine Menge
an Arbeit aufzuarbeiten. Nach Meinung vieler ist dieses Problem eines respektlosen und
unsportlichen Verhalten an der Unwissenheit und schlechten Erziehung der Sportler/in geschuldet.
So werden Täter als doof, oder geisteskrank bezeichnet, um zum allen Überfluss den beleidigten
damit auch noch so in Rage zu bringen, dass dieser ebenfalls beleidigend, oder sogar handgreiflich
wird. Ein kleines unabsichtliches Foul in einem Hallenhandballbundesligaspiel, und alle Zuschauer des
gefoulten Spielers springen auf und brüllen, oder zeigen mit abwertenden Handbewegungen die
urplötzlich wie aus dem Nichts auftretende Aggressivität, die sich von da an spontan auf die Spieler
überträgt. Erst einige Besonnene auf der Tribüne, oder dem Spielfeld lösen den eigentlich gar nicht
bestehenden Konflikt auf. Wissenschaftler bemühen sich schon seit Jahren diesem Phänomen, dass
sich nun schon als kleines Muss anscheinend aufbaut, auf die Schliche zu kommen. Zumal es
heutzutage vollkommen egal ist bei welchem Spiel, welcher Spielklasse, oder welchen Alters es
vorkommt. Es scheint einfach zum Hallenhandball nun dazu zu gehören. Doch falsch, denn es gibt
mittlerweile genügend Hallenhandballer denen dieses Verhalten gegen den Strich geht und sich
dagegen wehren, dass der Hallenhandball auf eine Schiene mit dem Fußball gestellt wird. Natürlich
ist es schön, wenn eine gewisse Stimmung in der Halle ist und jeder Spieler, Fan oder, der einfache
Zuschauer im Spiel mit fiebern. Doch es gibt auch die Werte wie Menschen miteinander umgehen
sollten. Und da kommen wieder die Worte Fairness und Respekt in großen Buchstaben darin vor. Da
es aber vergessen scheint, möchte ich hier diese Werte noch einmal vorstellen und darin darlegen
wie es auch gehen sollte.
Respekt:
Respekt bedeutet für mich im Sport:
* Anerkennung von Leistung und Erfolg, sportlich und ehrenamtlich
* Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements vieler Mitglieder im Verein
* Fairness bei den Spielen und beim Training
Ich verbinde mit Respekt:
* Menschen zu achten und Regeln zu beachten
* In der Gemeinschaft ein Ziel zu erreichen mit Regeln
Respekt im Sport wird gefördert durch:
* Rücksichtnahme
* Akzeptanz aller, unabhängig von Herkunft, Alter und sozialer Stellung
* Vorbildfunktion und die Einstellung der Sporttreibenden
Was (ver)hindert Respekt im Sport:
* Vorurteile
* Gewalt
* Fanatismus
* Egoismus
Wenn ich respektlos behandelt werde, dann reagieren wir wie folgt:
* ärgerlich
* ignorieren
* über der Sache stehen (darüberstehen)
* reden, das Gespräch suchen
* ermahnen
Ich definiere „Respekt" und „Respektlosigkeit" wie folgt:

* Respekt = Höflichkeit
                 = Achtung
                 = Anerkennung
                 = Akzeptanz
                 = Toleranz
                 = Fehlentscheidungen des Schiris zu akzeptieren                         
                 = Leistung und Erfolg

Fairness:
So sollte es sein!

Die Fairness gebietet vor allem:
 
die Anerkennung und Einhaltung der Spielregeln
den partnerschaftlichen Umgang mit dem Gegner
die Fähigkeit, sich in kritischen Situationen des     Wettkampfs von der eigenen Rolle zu
distanzieren
auf gleiche Chancen und Bedingungen zu achten
das Gewinnmotiv zu "begrenzen"
Haltung in Sieg und Niederlage zu bewahren

Schon seit es die ersten Mannschaftssportarten in der Moderne gab, schrieb man das Wort Fairness
in große Letter. Doch was früher etwas von Achtung, Stolz und vor allem der Fairness zu seinem
Sportpartner hatte, ist in der heutigen Zeit kaum noch vorhanden. Selbst in einem Sport wie dem
meinen (Hallenhandball), wird schon von einigen Vereinen, denen der Erfolg über alles geht, dieser
Umgang auf sportlicher Ebene nicht mehr erwünscht. Aber zum Glück für uns junge Breitensportler,
ist die Vereinswelt nicht nur schwarz und grau, sondern sie leuchtet auch in vielen bunten Farben.
Daher sollten Jugendliche Handballer genau abwägen welchen Weg sie einschlagen möchten. Denn
im Leistungssport zählen andere Tugenden, wie im Breitensport und da wird die Fairness sehr klein
geschrieben. Anhand folgender Aufstellung möchte ich aufzeigen, welche Hinderungsgründe es
heutzutage im Leistungssport unmöglich machen sportlich Fair zu bleiben.
Beispiele die nicht erfunden sind, sondern die Realität wiederspiegeln:
Solange der Erfolgsdruck wächst, steigt die Anziehungskraft unlauterer Mittel wie Doping, Bestechung,
Korruption

Solange die Verträge von Trainern allein abhängig sind von den Erfolgen ihrer Sportlerinnen und
Mannschaften, werden sie Erfolgsdruck ausüben

Je größer die finanziellen Folgen eines Sieges sind, desto rücksichtsloser wird dieses Ziel verfolgt
werden
Je höher die Werbeeinnahmen der Sportler/Innen sind, umso mehr sind sie bereit, sich vermarkten zu
lassen

Je größer die Rekord- und Medaillensucht ist, desto weniger zählt der einzelne Mensch und Sportler

Je mehr die Medien um Leser- und Zuschauerzahlen konkurrieren, desto plakativer und sensationeller
werden sie berichten

Je teurer die Übertragungsrechte an die TV Anstalten verkauft werden, desto mehr Einfluss haben sie,
beispielsweise bei den Anfangszeiten von Wettkämpfen

Je monotoner, erlebnisärmer, oder bedrohlicher die Menschen ihr Leben empfinden, desto mehr muß
eine mediale Scheinwelt für Abwechslung und Ablenkung in Form von Sensationen sorgen

Je weniger wir selbst Persönlichkeiten sind, desto stärker müssen wir uns - zur eigenen Aufwertung -
mit erfolgreichen, begehrten Stars identifizieren

Je weniger Jugendliche eine lebens- und liebenswerte Umwelt erfahren, desto näher liegt die Gefahr,
ihrer Frustration durch Gewalt Ausdruck zu geben

Je weniger Selbstwertgefühl der einzelne hat, desto anfälliger wird er für die Geborgenheit in Gruppen,
die Macht demonstrieren

Je höher die quantitativen Ziele wie Sieg, Erfolg, Einkommen in unserer Gesellschaft und in unserem
Leben bewertet werden, desto weniger zählen qualitative Ziele wie Wohlbefinden, Spielfreude,
Einsatzbereitschaft, Freundschaftlichkeit, Einfühlsamkeit, usw.

Sie sehen die Begrifflichkeit Fairness ist nur soweit durchzuführen wie man sie als
Sportler/Jugendsportler und Zuschauer auch selbst ausleben möchte. Diese Früchte unseres
Lebens tragen wir ja schon in den frühen Jahren unserer Schulausbildung mit uns.
Hier geht es auch nur nach Benotungen und Erfolgen jedes einzelnen jugendlichen Schülers.
Wenn man von Fairness spricht und gleichzeitig es einfordern möchte, sollte man auch hier
anfangen, wie im Sport dies zu hinterfragen, um vielleicht damit den Jugendlichen die Chance
zu ermöglichen, sich nicht immer in einen Vergleich zustellen, der einen besseren als Sieger
aufzeigt. Doch unsere Gesellschaft verlangt dann, egal wo immer man sich befindet und so

muss man ob man will, oder nicht sich der Situation anpassen!

Ist das Fairness?

Ich für meinen Teil bin froh darüber in meinen Handballvereinen eine zweite Heimat gefunden
zu haben, wo ich viel über soziales Lernen im Umgang mit meinen Mitmenschen miterleben
durfte. Weshalb ich jeden Jugendlichen, der einen Mannschaftssport erlernen will, den
Handballsport vorschlage und ihn auffordere, einfach mit dorthin zukommen, Stunden
miteinander zu verbringen, die zwar körperlich anstrengend sein können, aber auch
gleichzeitig einem das Gefühl gibt nicht allein zu sein.
Denn dieses Gefühl kann Menschen glücklich machen, wenn man erkennt gebraucht zu
werden.
Ich glaube das ist Fairness gegenüber uns Menschen!!

Roland Klaus

Quellen: Einschlägige Fachliteratur
Das eigene Handballerleben
Gespräche mit ehemaligen Handballsportgrößen